Der Präsident des Robert-Koch-Instituts, Reinhard Kurth, hält
es für wahrscheinlich, dass bei Ausbruch einer Vogelgrippe-Pandemie 30 Prozent
der deutschen Bevölkerung infiziert werden könnten. "Mit
etwas Glück ist es weniger, bei Pech eben mehr", sagte Kurth. Würde
tatsächlich durch Kreuzung des gefährlichen Vogelgrippe-Virus H5N1 mit
menschlichen Grippeviren ein Supervirus entstehen, wäre theoretisch mit einer
um 50 Prozent höheren Sterblichkeit zu rechnen als bei einer normalen Grippe.
Für 20 Prozent der Bevölkerung müssten deshalb Grippemedikamente
wie Tamiflu und Relenza zur Verfügung stehen, stellt Kurth fest. Derzeit
stehen nach Angaben aus Länderkreisen jedoch nur Medikamente für 10
Prozent der Bevölkerung zur Verfügung.
Doch dies sind alles Vorüberlegungen für Maßnahmen, die im Ernstfall
wirksam greifen sollten. Aufgrund des medizinischen Fortschritts, globaler Kooperation
und historischen Erfahrungen besteht jedoch kaum ein Grund in Panik auszubrechen.
Anzuraten ist, sich über das Thema umfassend zu informieren und gewisse Vorsichtsmaßnahmen
zu ergreifen. Alles andere sollte man den Experten überlassen.
Denn erst wenn der Vogelgrippenvirus in diesem Winter durch Evolution
den Trick lernte, schon durch ein Husten effektiv von Mensch zu Mensch zu springen,
würde die Weltgesundheitsorganisation wirklich Alarm schlagen. Dann
würde die derzeitige Warnstufe 3 (vereinzelte Erkrankungen beim Menschen)
auf die Stufe 4 angehoben. Doch selbst ein solcher Pandemiealarm muss nicht automatisch
in einer globalen Katastrophe enden. Kein Virologe kann vorhersagen, mit welcher
Wucht H5N1 um den Globus jagen würde. In der Vergangenheit wechselten sich
vergleichsweise harmlose mit äußerst verheerenden Seuchenzügen
der menschlichen Influenza ab. Man sollte auch nicht vergessen, dass schon die
normale Influenza in jedem Winter rund zehn Prozent der Weltbevölkerung infiziert
und Menschen daran sterben.